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HEUTZUTAGE

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Mein Traum von Inklusion

von Samir Abi

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 „Ihr Sohn wird nie mehr laufen.“ Solch ein Satz besiegelt in Togo das Schicksal Tausender Kinder, die fortan am Rande der Gesellschaft leben müssen, für die eine Behinderung zu den schlimmsten Makeln gehört.

Gutsituierte Beamte aus Städten verstecken aus Scham schlecht sehenden oder taube Kinder bei Verwandten im Dorf. Vielen Betroffenen wird das berufliche Fortkommen verwehrt. Einzelnen gelingt es zwar, sich trotz vieler Nachteile im Bildungssystem zu behaupten und brillante Abschlüsse zu erreichen. Diese Pioniere, die aus den Reihen der Ausgeschlossenen und Elenden, denen die Gesellschaft ein Schicksal als Bettler vorherbestimmt hatte, heraustreten, müssen aber weiterhin Widerstandswillen und Kampfgeist aufbringen. Sie müssen immer wieder beweisen, dass die soziale und berufliche Integration in die Gesellschaft möglich ist – auch wenn man beeinträchtigt, blind oder taub ist.

Inklusion ist politisch grundsätzlich gewollt. Das bestätigte ein Gipfel der EU mit Ländern aus Afrika, Karibik und Pazifik (AKPF) im November 2011 in unserer Hauptstadt Lomé. Vor drei Jahren ratifizierte Togo die UN Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderung, die das Land bereits 2008 unterzeichnete. Es herrscht aber riesiger Handlungsbedarf. Es wäre dringend nötig, die Zahl der betroffenen Personen verlässlich zu ermitteln. Die Regierung schätzt, dass 83 000 Menschen in Togo von Behinderungen beeinträchtigt sind, die Weltgesundheitsorganisation spricht von 630 000.

Es geht aber um mehr als Statistik. Die Geringschätzung der betroffenen Personen spiegelt sich zum Beispiel in der Verkehrsinfrastruktur wieder. Gehsteige sind für sie oft unzugänglich. Kaum eine Ampel gibt ein akustisches Signal von sich. Selbst Neubauten haben keine Rampen für Rollstühle.

Wer von einer dauerhaften Behinderung erfährt, sucht sein Heil oft in Aberglaube und Hexerei. Das ist irrational – aber immerhin versprechen viele Religionen, dass Blinde wieder sehen, Taube wieder hören und Lahme wieder gehen werden. Viele Familien hoffen auf ein Wunder und versuchen irgendwie, die Macht des Bösen zu bannen, die für die Behinderung verantwortlich gemacht werden. Aber die Wege des Herrn bleiben unergründlich …

Soziales Stigma ist dagegen ein zuverlässiges Phänomen. Die Betroffenen leiden unter Ausgrenzung. Für sie gibt es kein Recht auf Liebe, erfülltes Sexualleben und Heirat. Frauen werden häufig zu Opfern sexualisierter Gewalt – und bleiben dann ohne jegliche Rechte auf sich selbst gestellt. Sie sind im öffentlichen Leben sichtbar, denn viele invalide oder blinde Mütter betteln an Straßenecken, um die Kinder ihrer Vergewaltiger durchzubringen.

Ich habe einen Traum. Ich stelle mir vor, dass die Gebärdensprache als zweite Sprache an Togos Schulen gelehrt wird, dass in unserem Land neue Gebäude nur noch behindertengerecht errichtet werden und dass alle Verkäufer Wechselgeld ehrlich zurückgeben. Damit der Traum wahr wird, brauchen die Betroffenen Vertreter in Gemeindräten und Parlament. Wahlen bieten Chancen. Auch in unserer Gesellschaft werden eines Tages Kinder nicht mehr aufgrund ihrer Behinderung verurteilt werden sondern die Wertschätzung bekommen, die ihre Persönlichkeit verdient.

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